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HomeNews & InformationenDNV:Direkt - Unser Kundenmagazin >Ausgabe 1 "Qualität braucht Management"

Leistung für die Mobilität der Zukunft

Seit zehn Jahren zertifiziert DNV die weltweiten Produktionswerke des internationalen Automobilzulieferers Veritas AG nach ISO/TS 16949. In dieser Zeit sind die Ansprüche der Veritas enorm gestiegen.
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​Veritas – die älteste Gummifabrik Deutschlands – hat sich zu einem international tätigen Lieferanten von Leitungs- und Dichtungssystemen für die Automobilindustrie entwickelt. Gummi ist dabei schon längst nicht mehr der alleinige Werkstoff. Am Firmensitz im hessischen Gelnhausen werden auch Kunststoffe, Aluminium und Stahl zu kompletten Produkten weiterverarbeitet. Die Automobilhersteller wissen diese Systemkompetenz zu schätzen. Schließlich wollen sie immer mehr Arbeitsschritte auf Vorlieferanten verlagern, um so ihre Fertigungstiefe zu reduzieren. Deshalb verlassen auch nur selten einzelne Schläuche, Profile oder Dichtsysteme die Werkshallen bei Veritas. Meist werden einbaufertige Module geliefert, wie etwa komplette Kraftstoff-, Öl-, Hydraulik- und Luftführungssysteme für den Motorraum und Karosserieteile. Die Zertifizierung des Unternehmens nach automobilen Standards startete 1996 im Stammwerk in Gelnhausen. Um die Wünsche der Kunden zu befriedigen, entstanden seit 1996 neue Produktionswerke in Deutschland, Ungarn, Mexiko und Spanien. Mit dem Aufbau dieser Standorte führte Veritas ein Qualitätsmanagementsystem ein und ließ es durch DNV zertifizieren. Anfangs basierte die Zertifizierung auf dem VDA 6.1 und der QS-9000. Heute sind alle Veritas-Werke von DNV nach ISO/TS 16949 zertifiziert. Dabei haben sich auch die Anforderungen an DNV geändert. Hatte anfangs das Bestehen des Audits die oberste Priorität für Veritas, legt der Konzern mittlerweile Wert auf risikobasierte, effektive Audits mit hohem Nutzwert. Somit hat die Veritas AG inzwischen weit höhere Erwartungen an die Zertifizierungsdienstleistungen von DNV, als dies vor zehn Jahren der Fall war. Wir sprachen mit Horst Eisenacher, Qualitätsleiter der Veritas AG, über seine Anforderungen an die Zertifizierung.

DNV: Herr Eisenacher, Sie arbeiten seit der ersten Zertifizierung 1996 mit der DNV zusammen. Die Auditteams kennen Ihr Managementsystem inzwischen fast auswendig. Ist das für Sie kein Nachteil?

EISENACHER: Es birgt oberflächlich gesehen den Nachteil, dass ein Auditteam „betriebsblind“ werden könnte und somit Unternehmensbereiche nicht mehr vom flächendeckenden Audit erfasst werden. Doch nach der langen Zusammenarbeit kann ich sagen, dass diese Gefahr sehr gering ist. Eher überwiegt der Vorteil, dass die DNV-Auditoren über eine lange Zeit Erfahrungen mit unserem Qualitätsmanagementsystem und den damit verknüpften organisatorischen Abläufen gesammelt haben. Dies gibt uns die Sicherheit, dass alle Audits auf konstant hohem Niveau durchgeführt werden. Zudem konnten wir Qualitätsmanagementsysteme in neu gegründeten Produktionswerken durch die DNV-Audits noch schneller und wirkungsvoller einführen.

DNV: Wie hat sich das konkret bemerkbar gemacht?

EISENACHER: Die Effektivität dieser Audits spiegelt sich einerseits in der Anzahl festgestellter Abweichungen wider. Weitaus wichtiger ist jedoch, dass die Qualität der Abweichungen enorm ist.

DNV: Woran lag das?

EISENACHER: Das lag daran, dass die Auditteams die Erfahrungen bei der Auditierung der neuen Produktionswerke sehr gut umsetzen konnten. Prozessabläufe, Zuständigkeiten und Schnittstellen – vor allem zwischen unserer Zentrale und den Produktionswerken – wurden stets professionell begutachtet und bargen ein hohes Verbesserungspotenzial. Nicht selten haben die von DNV festgestellten Abweichungen dazu geführt, dass sich bleibende Kommunikationsprozesse zwischen den Standorten gebildet haben. Die konstante Zusammensetzung der Auditteams hatte noch einen weiteren Vorteil für uns. Ansatzpunkte für Verbesserungen konnten von einem zum anderen Audit oder Standort gar nicht in Vergessenheit geraten. Vielmehr gab es eine ständige Nachverfolgung von Verbesserungsmaßnahmen durch DNV. Nicht zuletzt hat die von uns gewählte halbjährliche Frequenz der periodischen Überwachungsaudits dazu geführt, das Qualitätsmanagementsystem in den neuen Produktionswerken schneller und wirkungsvoller einzuführen. Dies hat sich inzwischen sehr bewährt.

DNV: Wie haben Sie die Audits mit der Zeit verändert?

EISENACHER: Die Inhalte der ersten Audits waren meist sehr allgemein und eher darauf bedacht, die Standardforderungen konsequent abzudecken. Dies hatte logischerweise oberste Priorität. Inzwischen hat sich diese Vorgehensweise vollständig gewandelt. Basierend auf aktuellen Kennzahlen unserer Prozesse, wie ppm-Trends, Kostenanalysen, Kundenrückmeldungen und so weiter, wird schon bei der Auditplanung ein risikobasierter Ansatz gewählt. Die Audits befassen sich dann jeweils schwerpunktmäßig mit den Prozessen und Produkten, deren Kennzahlen weniger positiv verlaufen. Konsequenterweise resultieren daraus Auditfeststellungen, deren Behebung meist nicht einfach ist und zudem Ressourcen benötigen.

DNV: Akzeptieren die Mitarbeiter diesen Mehraufwand?

EISENACHER: Die Auditteams verfügen über einen enormen Erfahrungshintergrund mit unserem Unternehmen. Dieses „Know-how“ zusammen mit der Beharrlichkeit und Argumentationsstärke der Auditoren hat die Akzeptanz und Wichtigkeit externer Audits bei Veritas sehr stark erhöht. Dies schließt auch die oberste Unternehmensleitung ein. Hinzu kommt, dass die DNV-Audits grundsätzlich in kollegialer und sachlicher Atmosphäre durchgeführt werden. Zum Abschluss eines Audittages wird jede Abweichung vom Auditteam eindeutig erläutert und fundiert begründet. Somit werden Abweichungen weniger als Kritik verstanden, als vielmehr eine Basis für Verbesserungen.

DNV: Haben Sie konkrete Beispiele für solche Verbesserungen?

EISENACHER: An erster Stelle steht da sicherlich die Fehlerbehandlung. Dieser meist wenig geliebte Prozess hat sich unter Einwirkung der DNV-Audits stark verbessert. Früher wurden selbst erkannte oder vom Kunden reklamierte Fehler zum Teil nur korrigiert. Heute erfolgt nahezu flächendeckend eine fundierte Analyse der Ursachen. Erst dann kommen weitere Korrekturmaßnahmen. Die DNV-Audits haben also in hohem Maße dazu beigetragen, dass tatsächliche oder mögliche Fehlerquellen beseitigt werden. Die so genannten „kundenspezifischen Forderungen der ISO/TS 16949“ sind ein weiteres Beispiel. Hier gab es bei den Audits in den Werken zum Teil schmerzliche Feststellungen. Bei der Ursachenanalyse wurde aber schnell deutlich, dass wir nicht nur das einzelne Werk sehen können. Das führte konsequenterweise zu einem konzernweiten Verbesserungsprogramm. Nur dieser konzernweiten Betrachtung ist es letztlich zu verdanken, dass unser System der Lenkung kundenspezifischer Forderungen nun effektiv funktioniert.

DNV: Vielen Dank für das Gespräch.

Datum: 19 December 2006