Die Schwerlastbahn wälzt sich durch die australische Steppe. Waggon reiht sich an Waggon, so weit das Auge reicht. Hier scheint die Zeit keine Rolle zu spielen. Hektischer geht es dagegen in der immer überfüllten Metro von Bangkok und im berühmten Cable Car in San Francisco zu. Und auch der Zug im Euro-Tunnel zwischen Frankreich und England ist mittlerweile gut ausgelastet. So unterschiedlich die Aufgaben dieser Schienenfahrzeuge auch sind, sie haben eines gemeinsam: Sie alle fahren auf Schienen des österreichischen Schienenherstellers voestalpine. Auch wenn die meisten Reisenden den Stahlwegen unter ihnen kaum Beachtung schenken; moderne Schienen sind ein High-Tech-Produkt. Immer schnellere Züge im Personenverkehr und immer höhere Achslasten bei den Gütertransporten verlangen den Gleisen einiges ab. Außerdem gilt es, Wartungs- und Instandhaltungskosten in Zeiten knapper öffentlicher Mittel gering zu halten. Auch zum Lärmschutz leisten moderne Schienen ihren Beitrag. Denn die Züge sollen möglichst leise dahinrollen. Das alles führt dazu, dass die Herstellung von Schienen – vor Jahren noch ein Standardgeschäft für viele Stahlverarbeiter – heute nur noch in der Hand von wenigen spezialisierten Unternehmen liegt.
Das modernste Walzwerk der Welt
Eines dieser Unternehmen ist die österreichische voestalpine Schienen GmbH in Leoben-Donawitz, Steiermark. Rund 450 Mitarbeiter verarbeiten im modernsten Schienenwalzwerk der Welt jedes Jahr über 350.000 Tonnen Stahl. Mehr als 3.000 Kilometer Schienenweg lassen sich damit verlegen. Und das Geschäft boomt. Um mit der großen Nachfrage und den Anforderungen auf dem Weltmarkt Schritt halten zu können, baute der Konzern seine österreichische Produktionsstätte nach und nach zum größten schienenherstellenden Standort in Europa aus. So investierte voestalpine Schienen hier in den vergangenen 15 Jahren über 300 Millionen Euro. Das neue Walzwerk, das Anfang 2006 in Betrieb ging, war dabei der Abschluss des Ausbaus und die größte Herausforderung zugleich. Denn das neue Werk entstand genau an der gleichen Stelle, an der auch die alten Walzen standen. Da das nur funktionieren kann, wenn die Produktion während der Bauarbeiten stillsteht, musste ein Projektmanagement her, welches die Abwicklung innerhalb der streng vorgegebenen Zeiträume überwachte und steuerte.
Dazu gehörten sämtliche Vorarbeiten am Standort und die Koordination der Vormontage großer Komponenten des Werkes, die zum Teil in Italien stattfanden, sowie umfangreiche Testläufe und Schulungen der Mitarbeiter. Um den Produktionsstillstand so gering wie möglich zu halten, produzierte die bisherige Schienenwalzstraße bis zum Beginn der Hauptumbauphase im Dezember 2005. Danach wurde sie in nur zwei Monaten vollständig abgetragen und durch die neue Anlage ersetzt. Dies bedeutete Montagearbeiten unter Hochdruck rund um die Uhr sowie über die Feiertage. „Bei solch einem komplexen Projekt gilt es, vorab alle möglichen Risiken zu identifizieren und so weit wie möglich auszuschließen. Deshalb haben wir beim letzten DNV Risk Based Certification Audit genau das als Schwerpunktthema definiert“, erklärt Hermann Rauscher, Managementbeauftragter der voestalpine Schienen GmbH. Das komplexe Management des Großprojektes wurde dabei genau unter die Lupe genommen. Vor allem auf die Abgrenzung zum Betrieb, die Verantwortlichkeiten und die übergeordnete Koordination legten die DNVAuditoren ihr Augenmerk. Verbesserungen ergaben sich damit fast von alleine, insbesondere bei den Begleitprojekten. Und auch die Mitarbeiter waren durch die praxisnahe Begleitung des Projektes sensibilisiert. „Da in allen Gesprächen auf das Thema eingegangen wurde, bekamen wir einen zusätzlichen externen Impuls zur Kommunikation der Wichtigkeit dieses Themas“, erläutert Gudrun Bannert, stellvertretende Managementbeauftragte bei voestalpine Schienen.
Risikominimierung Dank DNV
Das Projektmanagement bekam großes Lob vom leitenden DNV-Auditor Volkmar Rändler. „Das Projektmanagement zum Monitoring der Aktivitäten des Gesamtumbaus war sehr gut geeignet, um frühzeitig Abweichungen zum Termin und Ressourcenplan zu erkennen.“ Kein Wunder also, dass das neue Schienenwalzwerk am 31. Januar 2006, fünf Tage vor dem eigentlichen Plantermin, seine Arbeit aufnehmen konnte. Hans Pfeiler, Vorsitzender der Geschäftsführung der voestalpine Schienen GmbH freut sich immer noch über diesen Erfolg: „Mit der erfolgreichen Aufnahme des Warmbetriebes haben wir eine neue Ära der Schienenproduktion eingeleitet. Der Kundennutzen steht mehr denn je im Zentrum unserer Aktivitäten.“
Qualität auf der Schiene
Dass Qualität auf der Schiene nicht nur für die Verkehrsunternehmen, sondern auch für die Infrastruktur gilt, erkannte man bei voestalpine schon früh. Als erster zertifizierter Schienenhersteller in Europa erhielt die voestalpine Schienen 1993 das DNV-Zertifikat nach ISO 9001. Dass DNV als Partner geholt wurde, war dabei schon relativ früh klar. „Da DNV innerhalb unseres Konzerns bereits als international anerkannter Zertifizierer bekannt war und uns als kompetent und partnerschaftlich empfohlen wurde, stand unsere Auswahl fest“, sagt Hermann Rauscher. „Unsere Erfahrungen mit DNV sind durchgängig positiv“, resümiert er die bisherige Zusammenarbeit. Das gelte zudem für die Zertifizierung des Umweltmanagementsystems nach ISO 14001 und die Validierung der EMAS Umwelterklärung. Seitdem begleitet DNV auch die wesentlichen Ausbaustufen des Managementsystems. So auch als die interne Suche nach Materialverschwendung, Anforderungen von Kunden und nicht zuletzt Vorgaben der Konzernführung 1996 zu der Entscheidung führten, ein Umweltmanagementsystem zu implementieren. DNV zertifizierte das System 1998 erfolgreich nach ISO 14001 und validierte die EMAS(Eco-Management and Audit Scheme)Umwelterklärung. 2001 folgte die Integration und Zertifizierung des Arbeitsschutzes nach OHSAS 18001.
„Ausgezeichnete" Leistungen
Auch das deutsche Tochterunternehmen der voestalpine Bahnsysteme GmbH & Co KG, die TSTG Schienen Technik GmbH, setzt auf Qualität sowie Arbeits-, Gesundheits- und Umweltschutz. Der Lieferant der Deutschen Bahn entwickelt und produziert im Herzen des traditionsreichen Stahlstandortes Duisburg. Das integrierte Managementsystem nach ISO 9001, ISO 14001 und OHSAS 18001 ist ebenfalls erfolgreich durch DNV zertifiziert. Dafür verlieh die Bahn dem Unternehmen das Q1-Zertifikat, das nur Lieferanten bekommen, die bei der Qualität und der Kundenzufriedenheit ein gleich bleibendes hohes Niveau erreichen. Nicht nur von den Kunden gab es Auszeichnungen. Der Standort Donawitz wurde vom österreichischen Lebensministerium (ähnlich dem deutschen Umweltministerium) im vergangenen Jahr mit dem EMAS-Preis ausgezeichnet. Der Preis, der jährlich verliehen wird, würdigt die Darstellung der betrieblichen Verbesserungen in der EMAS Umwelterklärung.
Die stellvertretende Managementbeauftragte bei voestalpine, Gudrun Bannert, sieht die freiwillige Teilnahme am EMAS-System auch als wirksame Öffentlichkeitsarbeit. „In unserer Umwelterklärung informieren wir über unsere Umweltpolitik, das Umweltmanagementsystem, die wesentlichen Umweltauswirkungen, das Arbeitsschutz-Managementsystem, den kontinuierlichen Verbesserungsprozess, die Umweltziele, das Umweltprogramm und dessen Status“, erklärt sie. „So kann jeder die Entwicklung und die Verbesserungen der Umweltauswirkungen nachvollziehen.“ Als Beispiele nennt Sie den kontinuierlichen Rückgang beim Verbrauch von Ölen und die Entsorgung von Altölen sowie die Verringerung der Entsorgungskosten allgemein. „Dies bedeutet nicht nur ein großes Plus für die Umwelt, sondern auch erhebliche finanzielle Einsparungen. Darüber hinaus verbesserten beim Arbeitsschutz umfangreiche Schulungen, die weit über den gesetzlich geforderten Rahmen hinausgingen, das Gesundheitsbewusstsein der Mitarbeiter.“
Datum: 19 December 2006