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In kaum einer Branche herrscht so viel Kostendruck wie in der Automobilindustrie. Das gilt vor allem für die Zulieferer. Die Automobilhersteller verlagern die Herstellung von Komponenten sowie die Forschungs- und Entwicklungsarbeit zunehmend auf die Zulieferer. Gefragt sind kürzere Entwicklungszyklen und sinkende Entwicklungskosten. Gleichzeitig steigen die technischen Anforderungen der Automobilhersteller rasant an. Qualität spielt daher für die Zulieferer die entscheidende Rolle, um im harten Konkurrenzkampf zu bestehen. Das bestätigt auch eine DNV-Studie zur Lage der deutschen Automobilzuliefererindustrie. Demnach sind Qualitäts- und Risiko-Managementsysteme erfolgsentscheidend.
Unterschiedliche Qualität an den Standorten
Doch nicht alle Firmen beherrschen diese komplexen Systeme. Erst recht nicht, wenn, wie bei vielen internationalen Unternehmen üblich, die Produktion über mehrere in- und ausländische Standorte verteilt ist. Auch der US-amerikanische Automobilzulieferer ArvinMeritor (ARM) hatte in Europa damit seine Probleme. Als Direktlieferant der Autoindustrie entwickelt und produziert die ARM GmbH in Dietzenbach und sieben weiteren Standorten weltweit Schiebedächer, komplette Dachsysteme und Dachmodule für alle großen Automobilfirmen. „Die Standorte von ARM haben sich im Laufe der Zeit immer mehr verselbstständigt, sodass übergreifende Aktivitäten kaum möglich waren“, erklärt Dr. Günter Schneider das Problem. Er ist bei ARM weltweit für die Qualität in dem Geschäftsbereich „Dachsysteme“ verantwortlich und zudem als Mitglied der Geschäftsleitung QMB für das integrierte Managementsystem. Die unterschiedlichen Qualitätssysteme bemerkten auch die Kunden. „Es gab immer wieder Anmerkungen von den Kunden, dass der eine Standort ein besseres System habe als der andere, und dass Synergien nicht optimal genutzt werden konnten“, fährt Günter Schneider fort.
Integriertes Managementsystem als Lösung
Die DNV-Auditoren regten zur Lösung des Problems an, die Standorte gemeinsam zu zertifizieren. „Damit wurde auch der Grundstein für ein gemeinsames integriertes Managementsystem gelegt“, sagt Günter Schneider. An den drei deutschen Standorten vereint das integrierte Managementsystem (IMS) seitdem die Standards ISO/TS 16949, ISO 14001 und OHSAS 18001. „Aus ökonomischer Sicht ist die Kombination aller dieser Anforderungen und deren kombinierte Zertifizierung ein großer Vorteil“, hebt Günter Schneider hervor. Zentrale Geschäftsbereiche wie Geschäftsleitung, Personalwesen, Einkauf, Entwicklung und Produktion werden durch umfassend ausgebildete Auditoren jeweils nur einmal auditiert. Diese Vorgehensweise helfe die Synergien der verschiedenen Standards zu bündeln und spare zudem Zeit und Kosten. Ohne ein IMS seien die vielen Anforderungen der Autoindustrie nicht mehr effizient zu handhaben, so Günter Schneider. Denn die Kunden fordern mittlerweile die Einhaltung diverser Standards. „Die Zertifizierung nach ISO/TS 16949 ist ein absolutes Muss, wenn man Geschäfte in der Automobilindustrie machen möchte“, sagt Günter Schneider. Die Zertifizierung sei mittlerweile kein Wettbewerbsvorteil mehr, sondern Grundvoraussetzung. Auch an vielen anderen Zertifikaten komme ein Zulieferer heute kaum noch herum. So würden viele Kunden heute auch die Zertifizierung nach dem Umweltstandard ISO 14001 verlangen. Die deutsche ARM hat sich von DNV, die auch weltweit mit ARM zusammenarbeitet, zudem auch die Einhaltung der Anforderungen des Arbeitsschutzstandard OHSAS 18001 bestätigen lassen. Die Erfolge können sich sehen lassen: „Durch das integrierte Managementsystem konnten wir sowohl intern als auch bei der Zertifizierung Einsparpotenziale realisieren“, freut sich Günter Schneider.
Verringerung von Betriebsunfällen
Auch die Zahl der Betriebsunfälle, die bei ARM schon seit jeher niedrig ist, konnte durch die vermehrten Anstrengungen im Zuge der Zertifizierung und durch Konzernaktionen weiter gesenkt werden. „In einem Werk sind wir seit über einem Jahr ohne Unfälle“, betont Günter Schneider. Der amerikanische Automobilzulieferer ArvinMeritor ist mit einem Umsatz von acht Milliarden US-Dollar einer der größten Zulieferer für die Automobilindustrie. Das Unternehmen beschäftigt etwa 31.000 Mitarbeiter in 25 Ländern und ist an 24 Joint Ventures in zwölf Ländern beteiligt. Das Produktangebot umfasst integrierte Systeme, Module und Komponenten für Hersteller von Pkws, Lkws, Anhängern und Spezialgeräten sowie für den dazugehörigen Ersatzteil- und Zubehörmarkt. ArvinMeritor-Produkte finden sich praktisch in jedem Fahrzeug, das heute auf den Straßen fährt.
Datum: 19 December 2006