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Es geschieht am hellichten Tag. An einem Sonntagmorgen. Zwei verkleidete Männer laufen durch die Tür der Museumscafeteria und bedrohen zwei Museumswachen mit Pistolen. Vor den Augen der rund 70 Museumsbesucher reißen sie zwei unersetzliche Kunstwerke von den Wänden. Innerhalb von Minuten ist der Spuk vorbei. Die Diebe entkommen in einem schwarzen Audi A6 und mit ihnen zwei der weltweit bekanntesten und wertvollsten Kunstschätze der Welt. Im August 2004 wurden die zwei von Edvard Munch gemalten Kunstwerke „Der Schrei“ und „Madonna“ aus dem Munch-Museum in Oslo gestohlen.
Kunstdiebstähle zählen laut Interpol nach Drogenhandel, Geldwäsche und Menschenhandel zu den lukrativsten kriminellen Aktivitäten. Der Diebstahl im Auftrag eines reichen Kunstsammlers, wie in zahllosen Kinofilmen dargestellt, ist ein Mythos. Die wahren Gründe sind weit profaner. Die Täter wollen mit dem „Artnapping“ bekannter Werke Lösegelder erpressen oder weniger bekannte Kunst einfach auf Schwarz- und Kunstmärkten weiterverkaufen. Ein gutes Geschäft. Die Aufklärungsquote liegt bei gestohlenen Kunstwerken gerade einmal bei zehn Prozent. Derzeit verzeichnet das internationale Art Loss Register 180.000 vermisste Werke.
Ein Trost: Je bekannter das Kunstwerk, desto größer ist die Chance, dass es wieder auftaucht. Denn für die ganz berühmten DNV Technik „Der Schrei“ gilt als eines der berühmtesten Gemälde der Welt und wurde 1893 von Edvard Munch gemalt. Werke fehlen die Abnehmer, wenn sie nicht auf Bestellung geklaut wurden. Viel gefährdeter sind kleine Kunstschätze wie Münzen und weniger bedeutende Kunst, die aus privaten Villen und Wohnungen verschwindet.
Munchs „Der Schrei“ war nicht das erste Mal Ziel von Dieben. Schon 1994 schafften es Kriminelle, eine andere Version des Bildes aus dem Nationalmuseum in Oslo zu stehlen.
Grund genug für die Stadt Oslo als Eigentümer des Munch-Museums, DNV mit einer viel beachteten Sicherheitsanalyse zu betrauen. Im Fokus standen die wichtigsten Risiken für unbezahlbare Kunstwerke wie Feuer, Einbruch und Raub. „Dies war das erste Mal, dass DNV eine Sicherheitsanalyse eines Museums durchgeführt hat“, sagt Monica Solem, Projektleiterin bei DNV. Für das erfahrene Team dennoch kein Problem. DNV verfügt über weitreichende Erfahrung im Risikomanagement und bei der Bewertung nach internationalen Standards. „In diesem Fall hat DNV Kompetenzen im Bereich Sicherheit und Erfahrungen aus der Verteidigungs-, Telekommunikations- und Schifffahrtsindustrie auf das Museum übertragen“, erläutert Solem.
Zeit ist Sicherheit
In ganz Europa hat der Diebstahl der Meisterwerke eine Diskussion darüber entfacht, wie die Kunst zukünftig zu beschützen sei – vor allem, wenn die Diebe immer skrupelloser vorgehen. Eine grundlegende Frage dieser Debatte ist: Wie kann Sicherheit gewährleistet werden, ohne dass die Besucher durch dickes Sicherheitsglas oder Gitter schauen müssen? Was DNV dem Munch-Museum konkret empfohlen hat, ist natürlich geheim. Nur ein paar Maßnahmen dürfen veröffentlicht werden. Dazu gehören die Installation eines verschließbaren Tores für die öffentlichen Besucher, das weit vor der eigentlichen Eingangstür liegt, die Errichtung eines ein „Labyrinths“ in Form eines gewundenen Ganges vor dem Museum, Metalldetektoren, Schutzscheiben und eine stärkere Verankerung der Bilder an den Wänden. Das alles soll die Diebe Zeit kosten. „Die einzige Möglichkeit, bewaffnete Raubüberfälle zu verhindern, ist, die Diebe so lange aufzuhalten, bis die Polizei eingreifen kann“, so Solem. Zur Zeit des Raubes mussten die Täter kaum Hindernisse überwinden. Außerdem wurde der Schutz gegen Raubüberfälle erhöht und es wurden zusätzliche Feuertüren zwischen den Ausstellungsräumen angebracht.
"Wir glaubten immer, besser geschützt zu, sein, als die Ergebnisse der DNV-Analyse ergeben haben“, gab Oslos Gemeindedirektorin der Kunstsammlungen, Lise Mjos, damals zu. „Der Bericht von DNV und der Kunstraub haben uns klar gezeigt, dass unser Eindruck von Sicherheit unvollständig war.
"Mitterweile hat das Museum die Sicherheit auf Grundlage der von DNV vorgeschlagenen Maßnahmen verbessert. Im Mai 2005 öffnete es wieder seine Tore – nach neun Monaten intensiver Umbauarbeiten, die rund drei Millionen Euro kosteten. Die beiden Gemälde wurden im September 2006 wieder aufgefunden. Sie können mittlerweile zusammen mit den anderen 1.100 Munch-Kunstwerken wieder besichtigt werden – in Oslos sichererem Munch- Museum.
Autor: Alexander Heintze
Datum: 12 January 2010