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Seit dem Beginn der Banken- und Wirtschaftskrise scheint es, als ob sich alle anderen Probleme praktisch in Luft aufgelöst haben. Bei einem genaueren Blick wird klar: Die grundsätzlichen Herausforderungen und Fakten haben sich nicht geändert. Sobald der Nebel der Rezession sich wieder gelichtet hat, werden wir schnell feststellen, dass Öl und Gas sich nicht kurzfristig vermehrt haben und dass der Klimawandel akuter sein wird als je zuvor. Unternehmen – egal ob sie in energieintensiven Branchen tätig sind oder nicht – müssen darauf reagieren. Verbraucher und Politik fordern nachhaltig handelnde Unternehmen.
Viele Firmen scheuen allerdings davor zurück, sich intensiv mit ihrer Energieeffizienz zu beschäftigten. Schuld daran ist der Irrglaube, dass weniger Energieverbrauch nur mit teuren Investitionen zu erzielen ist. Weiter brauchen Energieinvestments meist eine längere Zeit, um sich zu amortisieren, als es die oft kurzfristig orientierte Investitionspolitik der Unternehmen zulässt. Die Konsequenz ist, dass sinnvolle Investitionen verschoben werden oder unterbleiben. An guten Ratschlägen mangelt es nicht. Gerade mittlere und kleine Unternehmen fühlen sich schnell erschlagen von all den vielen Helfern, Unternehmen, Methoden, Agenturen, Netzwerken, Energieberatern und Energiekontraktoren, die bei der Reduzierung des Energieverbrauchs ihre Unterstützung anbieten. Die Anzahl an frei verfügbaren Informationen und Angeboten ist kaum zu überschauen. Schulungen, Trainings, lokale, regionale, Industrienetzwerke, Förderprogramme, rechtliche Anforderungen überall. Die ersten Schritte kann ein Unternehmen jedoch ganz einfach selber machen. Schon ein systematisches Energiemanagement kann helfen, wesentliche Einsparpotenziale zu erkennen, die keine oder nur geringe Investitionen erfordern.
Schritt 1: Bilden Sie ein Energieteam!
Suchen Sie in Ihrem Unternehmen nach Mitarbeitern, die sich aus eigenem Antrieb oder aufgrund ihrer Tätigkeit mit dem Thema Energieeffizienz beschäftigen.
Schritt 2: Benennen Sie einen Energiemanager!
Das Team alleine kann und wird ohne ein Mandat, Ressourcen und Unterstützung durch die Geschäftsführung keine Veränderungen herbeiführen können. Daher sollten Sie gleichzeitig einen Energiemanager benennen.
Schritt 3: Finden Sie ein herausforderndes, motivierendes, mutiges, unglaublich klingendes Ziel!
Nachdem die organisatorischen Rahmenbedingungen geschaffen wurden, muss geklärt werden, welchen Weg das Unternehmen einschlagen soll. Im Idealfall sprudeln die Ideen und Projektvorschläge. Dabei besteht die Gefahr, dass an die Stelle der anfänglichen Euphorie schnell die Ernüchterung tritt, da die Richtung fehlt und erste Projekte nicht die erhofften Erfolge aufweisen oder einfach zu teuer erscheinen. Um gar nicht erst in diese Situation zu kommen, empfiehlt es sich, ein klares, herausforderndes Ziel zu setzen. Zudem sollte das Ziel SMART sein: spezifisch, mess- und erreichbar, anregend und zeitgebunden.
Hier eine kleine Auswahl:
▪ In fünf Jahren möchten wir unseren spezifischen Energieverbrauch um 50 Prozent reduzieren.
▪ In zehn Jahren werden wir als Unternehmen unabhängig von externen Energielieferungen sein.
▪ Wir möchten innerhalb von fünf Jahren in unserer Branche das energieeffizienteste Unternehmen werden.
▪ Wir wollen in zehn Jahren keine klimaschädlichen Energien mehr einsetzen und um das zu erreichen, unseren spezifischen Energieverbrauch um 30 Prozent senken.
▪ Wir möchten ohne technisches Investment unseren spezifischen Energieverbrauch im nächsten Jahr um 10 Prozent reduzieren.
Diese Ziele mögen ambitioniert sein, unmöglich sind sie nicht. Die Aufgabe eines Managers ist es, Prioritäten zu setzen und Mittel dort einzusetzen, wo sie den größten Nutzen für das Unternehmen bringen können. All diese Voraussetzungen sind für das Thema Energieeffizienz, wie für alle Fragen der Nachhaltigkeit, sicher gegeben. Außerdem reden wir von einem Horizont von fünf bis 15 Jahren. Das ist Zeit genug, um Lösungen zu finden.
Schritt 3: Implementieren Sie ein Energiemanagementsystem in Anlehnung an die Anforderungen der EN 16001!
Das Modell der EN 16001 bietet ein wirksames Werkzeug zur nachhaltigen Senkung des Energieverbrauchs im Unternehmen. Erfahrungen von Unternehmen haben ergeben, dass bereits im ersten Jahr signifikante Energieeinsparungen von fünf bis zehn Prozent erzielt werden können.
Energiemanagementsysteme: Diese Standards gibt es
Energiemanagementsysteme sind kein neues Thema. Bereits mit der ISO 14001 im Jahr 1996 haben Unternehmen die Systematik und Struktur dieses Standards genutzt, um Managementsysteme mit dem Fokus auf Energieeffizienz zu gestalten. In den folgenden Jahren entstanden verschiedene Standards zum Energiemangement, die sich alle stark an der Struktur der ISO 14001 orientieren. Seit Januar 2007 wird auf europäischer Ebene an einer Harmonisierung der Standards gearbeitet. Seit 10.09.2009 ist der neue Energiemanagementsystemstandard EN 16001:2009 offizielle europäische Norm. Auch er orientiert sich stark an der ISO 14001 und ergänzt die bekannte und vielfältig eingesetzte Struktur um relevante Inhalte für das Energiemanagement. Auch die globale Normung steht nicht still. Ein erster Arbeitsentwurf der kommenden ISO 50001 wurde Ende 2008 den Normengremien übermittelt. Die Struktur unterscheidet sich diesmal von der ISO 14001 und ist geprägt von den Anforderungen der amerikanischen Norm ANSI/ MSE 200:2005 und eines neuen Entwurfs dieser Norm aus dem Jahr 2007. Neben der unterschiedlichen Struktur sind zusätzliche Anforderungen im ersten Entwurf enthalten, die aber nicht im Widerspruch zu den Anforderungen der EN 16001 stehen, sondern diese sinnvoll ergänzen. Da man noch relativ früh im Normungsprozess ist, kann noch keine verbindliche Aussage zur Struktur und zum Inhalt des Standards gemacht werden. Eine Verabschiedung wird nicht vor 2010 erfolgen.
Autor: Dirk Vallbracht